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Über die Systemische Arbeit

Jeder Bereich, in dem wir leben und in Beziehung zu anderen Menschen stehen, ist ein „System“. Also ein Beziehungsgeflecht von mehreren Menschen.

  • Familie
  • Schule, Arbeitsstätte
  • Sportverein etc.

Natürlich ist im Familiensystem die Prägung entstanden, wie wir mit anderen Menschen in Beziehung gehen. Die Mutter ist unsere allererste und prägendste Bezugsperson. Sogar, wenn sie unter der Geburt gestorben wäre.

In jedem System sind drei Regeln einzuhalten. Ist das nicht der Fall, kommt es zu Krankheit oder seelischen Störungen.

  • Gesetz der Zugehörigkeit (z. B. wenn ein Familienmitglied ausgeschlossen oder nicht benannt wird)
  • Gesetz der Rangfolge (z. B. das Kind fühlt sich für das „Glücklichsein“ der Mutter verantwortlich)
  • Gesetz des Ausgleiches (z. B. jemand hat große Schuld im Krieg auf sich geladen und gleicht diese Schuld nicht aus)

In der Therapie wird ermittelt, wo eine „Unordnung“ entstanden ist. Diese kann sozusagen weitervererbt werden und sich als Symptom in einer anderen Generation zeigen.

 

Über verschiedene Interventionen wird dann eine Lösung entwickelt, damit die Ordnung wieder hergestellt werden kann. Meistens sind Symptome (körperliche oder seelische) unbewusste Lösungsversuche.

 

Sie sind ein Versuch, Verbindungen – auch Verstrickungen – aufrecht zu erhalten. Wenn die systemische Ordnung wieder hergestellt ist, können die Symptome verschwinden.

 

Diese Systemische Arbeit funktioniert als Einzelsitzung oder als das sogenannte „Familienstellen“ in einer Gruppe unter meiner Leitung. Meiner Erfahrung nach zeigen sich immer genau die Lösungen, die integrierbar sind. Meine Begleitung ist verlässlich, sodass Klienten die Sitzung mit einer zuversichtlichen Haltung verlassen. Für Fragen im Nachhinein bin ich gerne da.

 

Bei der Systemischen Arbeit ist es NICHT nötig, Familienangehörige mit zur Therapie zu bringen.

Wie verläuft eine Familienaufstellung?

Es gibt verschieden Möglichkeiten für die Aufstellungsarbeit. Eine sehr gängige Form ist die Aufstellung eines „Anliegens“ im Kreise von mehreren Menschen.

 

Es gibt den Aufsteller, der ein Anliegen aufstellen möchte. In dem untenstehenden Beispiel ist es Maria, die herausfinden möchte, ob der Grund für ihre Antriebslosigkeit eventuell im Familiensystem zu finden ist. Dann bittet sie andere Teilnehmer als Stellvertreter für ihre Mutter, ihren Vater etc. zu stehen. Sind die Stellvertreter in der Position der Mutter oder Vater entwickelt sich eine Dynamik. Diesen Vorgang kann man nicht beschreiben, den muss man selbst erleben. Der Aufstellungsleiter begleitet mit Interventionen die Aufstellung.

Beispiel – sehr reduzierte Version einer Familienaufstellung

Maria ist 26 Jahre alt und Studentin. Ihr Problem ist, im Studium nicht so richtig voran zu kommen. Sie ist immer mal wieder antriebslos und hat auch unerklärliche traurige Phasen. Dabei findet sie ihr Studienfach eigentlich spannend wie auch die Aussicht, einen entsprechenden Beruf zu ergreifen. Es gibt auch nichts offensichtliches, worüber sie traurig sein müsste.

Maria stellt die Ursprungsfamilie auf

Vater steht rechts von der Mutter und schaut auf seine Tochter. Mutter schaut nach links zur Seite - scheinbar ins Leere. Maria steht in Richtung ihrer Mutter und schaut in die gleiche Richtung wie ihre Mutter. Geschwister gibt es nicht.

 

Auf die Frage nach dem Empfinden und den aufsteigenden Gefühlen, sagt der "Vater": "Mir geht es an dieser Stelle recht gut, schaue mit Freude auf meine Tochter, leider habe ich zu meiner Frau keinen rechten Kontakt."

 

Die Mutter sagt, sie schaut mit etwas Sehnsucht in die eine Richtung und fühlt sich traurig und etwas verlassen.

 

Die Tochter (Maria) fühlt sich sehr verantwortlich für die Mutter und ebenso traurig. Gibt es einen Impuls? Maria sagt, sie möchte gerne zur Mutter gehen und sie trösten. Das tut sie. Mutter und Tochter sind sich nah, schauen beide in die eine Richtung und sind traurig.

Nun wird ein „Stellvertreter“ an die Stelle gestellt, wohin Tochter und Mutter schauen.

 

Dieser Stellvertreter hat den Impuls sich auf dem Fußboden hinzulegen.

 

Frage an Mutter und Maria:

Wer oder was könnte das sein (also der neue Stellvertreter)?

 

Mutter sagt:

"Wahrscheinlich meine große Schwester, die gestorben ist als ich 15 Jahre alt war."

Die Mutter hatte nie über ihre Schwester gesprochen. Nun bitte ich Mutter und Tochter zur verstorbenen Schwester/ Tante zu gehen.

 

Dort gibt es Interventionen, um die verstorbene Schwester / Tante zu würdigen und noch einmal zu verabschieden. Die Regel der Zugehörigkeit wird nun wieder eingehalten. Die Tante wird benannt als Teil der Familie.

 

In der Trauer waren die Mutter und Tochter sich nah. Die Tochter Maria hat versucht, der Mutter die Trauer abzunehmen, damit die Mutter wieder glücklich ist. Sie hat also Verantwortung für die Mutter übernommen. So etwas machen Kinder aus Liebe und unbewusst.

 

Doch damit ist die Regel der Rangordnung gestört. Die Tochter hat sich sozusagen (unbewusst) über die Mutter gestellt und ihr die Verantwortung abgenommen, krass gesagt, sich in den Verantwortungsbereich der Mutter eingemischt. Das wird über weitere Interventionen geordnet.

Nun zeigt sich folgendes Bild:

Die Mutter schaut nicht mehr auf ihre verstorbene Schwester, sondern blickt in Richtung Maria, die vor ihr steht. Ihr Mann steht rechts von ihr und fühlt wieder eine Verbindung zu seiner Frau. Diese fühlt sich nun mit ihrem Mann verbunden.

 

Maria steht vor ihren Eltern und schaut nicht mehr in Richtung ihrer Tante oder ihrer Eltern, sondern nach vorne. 

 

Sie trägt nun nur noch ihre eigene Verantwortung und schaut ins Leben. Sie fühlt sich erleichtert frei und hoffnungsvoll.

 

Einige Wochen nach der Aufstellung stellt Maria fest mehr Antrieb und Freude  zu haben. Sie hat mit ihrer Mutter zusammen Blumen zum Grab ihrer Tante gebracht.

Wenn Du Fragen zur Aufstellungsarbeit hast oder selbst aufstellen möchtest

Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung. Einfach E-Mail senden oder anrufen.

 

Das nächste Seminar zur Familienaufstellung findest Du hier.

 

Herzlichst,

Gabriele Koerbs

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